Wer einmal als ZuschauerIn oder TeilnehmerIn am 100km in Biel war, hat sicher etliche Male den
Speaker die "Nacht der Nächte" ausrufen hören. Und wohl fast eben so oft "La Nuit des Nuits",
weil Biel ja an der Sprachgrenze zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen
Schweiz liegt.
"La Nuit des Nuits" "Nacht der Nächte" Im ersten Moment hört es sich vielleicht etwas überheblich
an. Doch Biel, das ist wirklich ein Erlebnis der besonderen Art. Wer einmal am 100km Lauf in Biel
dabei war, wird diese Nacht nicht so schnell wieder vergessen. Egal ob in 7, 12 oder 20 Stunden,
es ist eine gewaltige körperliche Herausforderung 100km zu Fuss zurückzulegen - selbst für viele
erprobte MarathonläuferInnen eine grosse Hürde.
Und nicht nur körperlich ist der Lauf eine grosse Herausforderung, sondern mental ebenfalls. Mut ist
erforderlich, sich auf diesen Weg zu begeben, Unwägbarkeiten begleiten die Laufenden durch die Nacht,
Grenzerfahrungen, entdecken eigener innerer Grenzen, diese überschreiten und sich in ein neues
Land von Erfahrungen wagen.
Es war eine dunkle, kalte Novembernacht, der Nebel hing tief herunter, als vor fast 50 Jahren 35
Freunde und Bekannte sich um Mitternacht beim Schulhaus in Biel-Madretsch zusammenfanden, um zum
ersten Mal die 100km von Biel zurückzulegen:
Mehr zur Geschichte des 100km Laufes von Biel
Mehr als 100'000 Läuferinnen und Läufer aus ganz Europa sind in all den Jahren dieser einzigartigen
Faszination erlegen. Rund ein Dutzend Mal legten Spitzenläufer die 100 Kilometer unter 7 Stunden
zurück, trotz der rechts beachtlichen Höhendifferenzen, etwa einem Drittel Feldwege ohne Asphalt
und natürlich der Dunkelheit.
Doch für die meisten stand nicht ein Spitzenplatz in Vordergrund, sondern die Herausforderung dieses
Wagnis überhaupt anzugehen. Nur wer selbst dabei war, Höhen und Tiefen miterlebte, die Prüfung über
Distanz und Zeit bestand, kann begreifen, dass einem im Ziel die Glückseligkeit zu Füssen liegt.
Für die jeweils rund 2000 Startenden (in den 70er und 80er Jahren waren es zeitweise sogar über 4000)
ist aber nicht zuletzt die
einmalige Ambience ein wesentlicher Grund eine weite Anreise auf sich zu nehmen, um am traditionsreichen
Bieler 100 Kilometerlauf starten zu können. Oftmals werden 100km wegen der einfacheren Organisation auf
viel kürzeren Rundstrecken gelaufen, wo dann entsprechend viele Runden zu absolvieren sind. Das
einmalige Erlebnis eine Nacht lang ohne einen einzigen Kilometer Wiederholung an Wiesen und Äckern
entlang, durch Wälder und Dörfer zu laufen, das gibt es nur in Biel. Und die Zahl der Zuschauer, welche bis
in den Morgen hinein die LäuferInnen anfeuern, ist dabei um ein Vielfaches höher als die Zahl der
LäuferInnen selbst.
letzte Änderung: 23.06.11