"Einmal musst du richtig frieren"
Biel 100km am 09.06.2006
Es ist 5 Uhr morgens und ich setze mich auf dem Asphalt, ich
will nicht mehr weiter und bin völlig am Ende.
"Hörst du die Frösche?" fragt Walti.
Ob ich die Frösche höre???
Diese Viecher sind ja nicht zu überhören, aber Herrgott, die
FRÖSCHE sind mir sowas von EGAL ... von mir aus könnte es Frösche
regnen und das wäre mir auch vollkommen wurscht!!!!
- - -
Drehen wir die Uhr zurück, ca. 24
Stunden und ein paar mehr.
- - -
Ich habe mich mit Walti für Biel
angemeldet, DEN Lauf, den jeder, der sich Ultraläufer schimpfen will,
einmal laufen muss.
Gepusht von den Berichten freue ich mich auf
die Landschaft, die sicherlich unglaublich schön sein wird. Das
Streckenprofil sehe ich mir auch an und weiss, dass es einige Steigungen
gibt (haha!!!).
Wenn ich ehrlich bin, gab es schon davor Anzeichen,
das das Schicksal mich vor diesem Lauf bewahren wollte - ich verpasste den Flug am Donnerstag, weil ich die
Ankunftszeit mit der Abflugzeit verwechselt hatte, aber wie es will, hatte
ich dann doch noch nen günstigen Flug für Freitag morgens (gleiche
Abflugzeit) bekommen.
Den verpasste ich dann nicht. Gleich beim einchecken traf ich
auf Affenzahn (sein 100MC Name), ein versierter Ultraläufer, der
nicht mehr trainiert - er läuft genügend Wettkämpfe. Dazu raucht er noch
und macht auch keinen Hehl daraus, eigentlich dürfte er nur 10 km Läufe
laufen dürfen, bei seiner Lunge - die Welt kann ungerecht
sein...
Durch die Sicherheitskontrollen komme ich wie immer durch
und den Flug von 55 Minuten überstehen wir auch ohne
Probleme. Affenzahn und ich beschliessen, als wir in Zürich
ankommen, erstmal zu frühstücken. Es ist ja früh und die Kalorien
verbrennen wir eh später.
Im "Sprüngli" setzen wir uns hin und
quatschen über dies und jenes - ich empfinde ihn als sehr angenehmen
Gesprächspartner (auch wenn er Raucher ist) - akzeptiert er doch, dass ich
sehr langsam bin und kommt nicht überheblich daher (in dem Bezug habe ich
schon ganz anderes erlebt).
Jeder hat seine eigene Leistungsgrenze
und das macht es für einige schwierig, diese anzuerkennen, ich habe bisher
bei keinem 6 Stunden Marathon irgendwo bei BurgerKing gesessen und bin das
Ding locker ins Ziel gelaufen. Doch die Bekanntschaften in letzter Zeit
hatten mir gezeigt, dass es auch andere Leute gibt, die sowas als unwürdig
einstufen - ich muss nicht extra erwähnen, dass es sich um vorbeiziehende
Bekanntschaften handelte.
Affenzahn ist im 100MC (100 Marathon Club, der
einzige Club, der für mich der richtige ist und ich hoffe in vielleicht 10
Jahren mal einen Antrag stellen zu dürfen) und erzählt mir, dass es andere
Laufvereine gibt, die Läufer ausschliessen, weil die zu langsam seien (???).
Mit den Croissants und der netten Gesellschaft komme ich
langsam zur Ruhe - ich geniesse die Sonne und "tanke" sie auf, wie ein Auto
- leider konnte ich sie nicht speichern...
Das schöne ist, mit der
Zeit trifft man die selben Läufer immer wieder und ich freue mich dann
besonders, mich dazugehörig fühlen zu können, dann merke ich, dass meine
Ansichten doch nicht so verquer sind ... aber ich weiss
auch, dass ich mich im Rudel der "Verrückten" befinde und mich deshalb so
schön normal fühle. Wie mir ein älterer Läufer nach Biel erzählte,
sind die "Alten" die schlimmsten ... (glaub ich!)
Wir sitzen einige
Zeit und quatschen ausnahmslos über Läufe, Lauftaktiken, Ansichten, etc.
und natürlich noch geplante Läufe in diesem Jahr. Der 24 Stunden
Schenefeld Lauf lacht mich an, aber da befinde ich mich gerade in der
Ausbildung und da muss ich mal sehen, ob der Arbeitgeber da mitspielt. Man
will ja nicht gleich aus der Rolle fallen ...
das werde ich noch
früh genug tun...
Gegen 11 Uhr gehen wir zurück zum Bahnhof
und erwischen dort den Zug nach Biel, jetzt dauert es noch eine Stunde und
dann sind wir dort. Die Stadt der Städte, der Lauf der Läufe...
Am Bahnhof trennen sich unsere Wege, Affenzahn fährt zum Eisstadion und ich
zur Unterkunft, der Busfahrer ist so freundlich und sagt mir Bescheid, als
ich aussteigen muss. Bei der Anmeldung zum Lauf bekommt man sofort ein
Ticket für die Bieler Lauftage - das ist ungemein praktisch, ich habe
keine Ahnung wie oft ich hin und her gefahren bin.
In der Unterkunft beziehe ich erstmal mein Bett. Das ist so ne Art Bunker, mit
durchgehender Belüftung - ich kann verstehen, wenn das für einige zu zugig
ist, aber ohne diese Luft würden wir nur im "Kabuff" liegen. Die Zimmer
sind mit Doppelstockbetten belegt, ich habe die Bettenanzahl nicht
gezählt, aber wenn ich 12 Betten (also 24) sage, wird das so in etwa
hinkommen.
Ich hau mich erstmal gegen Mittag hin und kann noch
etwas schlafen, bis ca.17 Uhr. Dann stehe ich auf und gehe etwas
essen - habe ja schliesslich dafür bezahlt. Dort setze ich mich an einen
Tisch und komme mit einer Läuferin und einigen anderen ins Gespräch (die
sollte ich später wiedertreffen) sie sei letztes Jahr bei km 92
ausgestiegen, es ging bei ihr nicht mehr weiter und ich kann mir nicht
vorstellen, wie weh (psychisch und physisch) das getan haben muss - so
kurz vor dem Ziel. Doch der Körper macht die Gesetze - der Kopf kann stark
sein, doch irgendwann ist Schluss und jegliches "weiterprügeln" kann dann
zu schlimmen Verletzungen führen.
In meinem Kopf habe ich den
Streckenplan und auch die Zeit, die ich etwa schaffen will. Dann ziehe
ich mich um, klebe die Füsse ab, so wie ich es immer mache ... aber
die Pflaster sind diesmal anders - das sollte mir noch Probleme bringen.
Ich benutze mein Handy immer
nur als Notfall und deshalb bin ich es auch nicht gewohnt, es mitzunehmen
- Walti und Markus versuchen unterdessen, mich anzurufen, aber das Handy
liegt ausgeschaltet im Rucksack (sorry).
Als ich fertig bin, mache
ich mich auf - ich bin noch nicht wirklich aufgeregt, dafür ist die
Strecke zu lang. Mit Markus hatte ich mich im Eisstadion
verabredet, zur Startnummernausgabe, aber da ich viel später, als
verabredet ankomme, hole ich so erstmal meine Startnummer mit dem Chip ab
und schreibe noch eine SMS, dass ich endlich da bin.
Dann gehe ich zum Zeltplatz und treffe auf Affenzahn und die anderen "100
Marathon-Club" Mitglieder, die helfen mir, den Chip am Schuh zu
befestigen - später mache ich ihn aber nochmal ab, weil er drückt.
Er drückte später dennoch.
Dann gehe ich zu der Haltestelle und dort steht Markus, der auf Walti
wartet. Walti, allgemein als mein Laufbegleiter für diesen
Ultralauf bekannt, hatte auch so seine Probleme, bis zuletzt war es
unsicher, ob er überhaupt starten konnte und er hat mir mindestens eine
schlaflose Nacht bereitet. Zum Schluss erreichte mich eine SMS (als ich in
Biel war) mit einer schlechten Nachricht und ich war sehr
besorgt. Wie er dennoch dorthin gekommen ist, rechne ich ihm sehr
hoch an, das war sicher nicht leicht für ihn und ich bin noch immer sehr
dankbar (mein Gott, die Rührung bricht wieder durch), dass er mit mir
mitgekommen ist.
Markus und ich warteten also auf Walti und auf den
Bus, mit dem er kommen sollte - bis Walti schliesslich aus dem Eisstadion
auftauchte und sagte, dass er schon einige Zeit dort war... Man schüttelt
sich zum ersten Mal die Hand und ich gehe mit Walti und Markus
zum Verpflegungszel, weil Walti noch nix
gegessen hat. Dort schiessen wir auch das erste "Beweisfoto".

Markus
Auf dem Weg dorthin läuft uns auch
Roland über den Weg, der mir schon vorhin in die Augen geschaut hat, da
Roland aber nicht seinen Zebradress getragen hatte, bin ich einfach
weitergelaufen (ich hab doch gesagt "Sprecht mich an!", ich kann schlecht
Leute erkennen ... zumindest beim ersten Mal)
Bei Roland habe ich
auch sofort das Gefühl, dass er mir sehr sympathisch ist - das mag blöd
klingen, aber ich habe bei diesem Lauf so viele Leute getroffen, mit denen
man sich im Forum unterhalten hat (streakrunner.de), aber in real sich die
Hände zu schütteln, ist doch was anderes und böse Überraschungen habe ich
immer wieder erlebt. Hat gar nicht so sehr mit laufen zu tun, aber das
virtuellen Leben brint nicht alle Facetten des realen Lebens rüber, da
muss man auf Überraschungen gefasst sein. Roland wünscht mir Glück, falls
man sich nicht wieder sieht - wie, Roland, es sind noch ein
paar Stunden bis zum Start, du entwischt mir nicht so leicht ;)
Nachdem Walti sich mit den obligatorischen Spaghettis aufgetankt
hat, gehen wir zurück zum Zeltplatz, wo Roland sich mit seinem gelben
Auto (das wie ein Postauto aussieht, aber keins ist) eingerichtet
hat.

Markus - Walti
Die Sonne scheint und ich ernte Erstaunen, als ich meine Kamera aus dem
Rucksack nehme "Mit DEM Eumel willst du laufen???" Klaro! Schliesslich bekommt
man nicht die Gelegenheit so viele bekannte Gesichter
auf digitalem Papier zu bannen und vielleicht hatte ich schon da die
Vorahnung, dass Biel mein erster und letzter Besuch sein wird.
Und mit was kann man sich besser die
Zeit vertreiben, als mit Fotos knipsen?

Walti - Roland (noch durchschnittlich gekleidet)

Roland - Kris

Ausruhen vor dem Start

Roland im korrekten Renndress - gefinisht hat er unter 11 Stunden
Dann tauchen noch andere bekannte Gesichter auf -
Yogi spricht mich an (richtig so! Ich bin ja schliesslich blind, aber ich
muss sagen, dass ich eine Person mit dem YogiShirt gesucht habe ... aber
andere Läufer haben mich mit meinem KShirt gesucht, so gleicht sich das
wieder aus).

Yogi oder auch Jörg, "der Genussflitzer" genannt
Dann taucht David auf, mit Birgit,
seiner Begleiterin - die beiden laufen den Nachtmarathon.
Ich habe noch nie so viele Hände geschüttelt, wie bei diesem Lauf.

David - Birgit - Walti - Roland

Walti (der schon jetzt die Frösche quaken hört) -
Roland - Markus - Kris (die noch lachen kann) - David
Dann wars das erstmal mit den Fotos -
es werden zwar noch ein paar folgen, aber später - vieeeel
später...
Die Zeit vergeht doch rasch und wir begeben uns zum
Start, es fehlen noch einige Hände zum schütteln und ich halte
Ausschau.
Die Lautsprecher am Start dröhnen und der Sprecher faselt
irgendwas unverständliches ... ich versuche etwas abzuschalten, halte aber
noch immer meine Augen offen und plötzlich von der Seite spricht mich
jemand an.
Es ist Heiko, der die ganze Zeit nach einem K Shirt
gesucht hatte - da dieses Shirt aber nur aus Baumwolle besteht, habe ich
es nicht angezogen.
Wir wünschen uns Glück und ich versuche, Walti im
Gewimmel nicht zu verlieren...
Dann kann ich auch endlich Bernhard
Sesterheim die Hand schütteln, ein Läufer, der mich sehr beeindruckt hat
und dessen Berichte sehr sehr lesbar sind. Bernhard ist bekannt, so wird
er immer wieder unterbrochen und schüttelt auch Hände. Er gibt mir Tipps,
die ich sicher umsetzen will, z.B. dass ich am Berg gehen sollte. Auch soll ich
dem Teufelchen nicht nachgeben - das habe ich auch nicht vor, aber dann
wurde es doch ganz anderes, als es kommen sollte...
Der Sprecher nervt ein bisschen, dieses Geblahe hätte man auch etwas leiser gestalten können - so
warten wir sehnlichst den Start ab und als auf französisch runtergezählt
wird, wissen wir, es ist soweit.
Wir starten!
Die ersten Kilometer geht es durch die Stadt und ich
muss Walti etwas bremsen, die Zuschauer feuern uns mit "HoppHopp" Zurufen
an, die mir schon aus den Ohren kommen...
Beinahe wären wir über
eine Verkehrsinsel gestolpert, die direkt vor uns sich aufhügelt. In der
Stadt ist es warm und ich öffne mein Longshirt so, dass etwas Luft
reinströmt - ich freue mich auf die Nacht und dass wir bald aus Biel
rauskommen. Die Stille wird uns sicher gut tun, denke ich.
Der erste "Hügel" kommt und Walti und ich marschieren flott diesen hoch - das
ist übrigens unsere vereinbarte Taktik geworden, marschieren und nicht
laufen - schon das verlangt Kräfte von mir ab, die ich eigentlich sparen
wollte.
Alle vor und hinter uns marschieren auch, wir gehen mit
einem Läufer gemeinsam nach oben, aber ein Wort haben wir nie gewechselt.
Dann tauchen die ersten Marathonläufer auf und die beklatschen wir
ordentlich. Schon wahnsinn, wie sie diese Steigung nach oben
nehmen!!!
Irgendwann gehts wieder nach unten und das auch richtig
ordentlich. Ich bremse mich aber nicht ab, sondern lasse es rollen, so
habe ich meine Oberschenkel nicht strapaziert (toi toi toi!!!). Zu
diesem Zeitpunkt spüre ich sowas wie Freude, es rollt gut und ich freue
mich auf die stadtlose Strecke.
Dann sind wir draussen und nun
gehts gerade entlang ... das, was mir sehr früh aus dem Halse hängen
wird. Ich weiss, es existieren viele frenetisch geschriebene
Berichte, aber ich kann da nur selbst schreiben, was ich erlebt habe und
frenetische Dinge habe ich nicht erlebt...
Der Chip am Schuh
drückt, warum drückt er, er hat noch nie gedrückt??? Das nervt mich
schon jetzt und viel zu früh, muss ich mich in eine Art meditativen
Zustand begeben, damit das Gedrücke mir nicht den letzten Nerv
raubt.
Ein Licht kommt uns entgegen, es sind die Ersten, die
aufgegeben haben und nun zum Verpflegungspunkt zurückgehen ... ich möchte
nicht in ihrer Haut stecken, diese Gerade ist ätzend.
Irgendwann auf
dieser Geraden hören wir bald ein "Hallöchen" und David taucht mit Birgit
auf, den beiden gehts genau so, wie es mir gehen sollte - keine
Probleme und frisch sind die beiden auch...
Zum Drücken hat sich
nun die muskuläre Verspannung am Oberschenkel gemeldet, aber das kenne ich
ja schon ... und die ist nicht so schlimm ... aber was neu ist und eigentlich
total überflüssig : Das Pflaster, das eigentlich dazu da ist, Blasen zu
verhindern, ist an einer Ecke lose und scheuert mich jetzt mit einer
unglaublichen Beständigkeit wund...
Zum Ausrasten ist das alles.
Walti und ich erreichen km 15, ihm gehts auch nicht gut, wir
trumpfen uns gegenseitig hoch, was uns alles weh tut. Ehrlich, ich hätte
einen Knacks wegbekommen, wenn er mir gesagt hätte, dass es ihm
gut geht ... natürlich freue ich mich nicht, dass er Schmerzen hat, aber so
fühle ich mich verstanden. Was für eine verquere Logik, aber sie funktioniert.
Eine Soldatin mit Marschgepäck überholt uns und ich
bewundere sie - wir haben einige Soldaten gesehen, die richtig flott
marschiert sind. Langsam gehen wir zwar auch nicht, aber die sind halt
noch schneller und dann tragen die auch noch einen 10 Kg Rucksack mit sich
- Wahnsinn!
Der Mond scheint hell, so dass die Stirnlampe zumindest
zu diesem Zeitpunkt überflüssig ist und dass einige die Lampe trotzdem
angeschaltet haben, kann ich nicht verstehen, dieses grelle Licht raubt
doch jeden Nerv und die Löcher sieht man damit gar nicht.
Immer wenn so ein grelles Licht auftaucht, drehe ich mich weg, damit meine Augen
gar nicht daran gewöhnt werden - es dauert seine Zeit, bis die Augen im
Dunkeln sich zurechtfinden.
Einige schnelle Marathonflitzer boxen
sich durch die Läuferschar, das macht mich etwas aggressiv, da ich es
nicht verstehen kann, wenn man in Dreier Reihen sich noch Platz
verschaffen muss - wie wäre es mal in einer 1er Reihe?
Dann kommen wir in den Ort Aarberg rein und zu dieser supertollenmagischen
Brücke.
Dort steht aber kein Publikum mehr, sondern nur noch ein
paar Betrunkene, die mit ihren Sprüchen auch nicht mehr geizen...
Kurz danach passieren wir einen Verpflegungspunkt, wo es
Brot gibt und das ich mir reinstopfe, um irgendetwas zu bekommen. Bananen
gibts auch, aber ehrlich, die kann ich nicht mehr sehen...
An einem Zaun halte ich schliesslich an und ziehe mir den linken Schuh aus - es
reicht mit diesem Gescheuere!!!
Zum Glück habe ich Pflaster mit und
ich reiss mir den Pflastermüll vom Fuss, um ihn daraufhin grossflächig mit
neuen Pflastern zu bekleben.
Jetzt gehts besser, es drückt nur noch
stumpf und brennt nicht mehr, wie wir diesen Lauf schaffen sollen, ist mir
zu diesem Zeitpunkt eher schon schleierhaft.
Erst rund einen fünftel der Strecke haben wir zurückgelegt - wohl den leichtesten
fünftel. Aber ans Aufgeben denke ich noch lange nicht.
Walti beklagt auch, dass sich bei ihm Blasen bilden -
muss er mir alles nachmachen?
Irgendwann meint Walti, wie es denn
wäre, wenn er aussteigen würde, ob der andere weiter läuft? Ich weiss, was
er damit erreichen will, ersticke das pessimistische Denken mit "Es gibt
das Wenn gar nicht!" im Keim.
In mir kommen jedoch auch langsam Zweifel auf.
Kurz vor dem Wäldchen müssen wir beide pinkeln und ich
latsche direkt in ein Brennesselfeld rein - schnell raus da und weiter
suchen, bis ich die geeignete Stelle finde und mich
erleichtere.
Fast zeitgleich kommen wir auf die Strecke zurück -
sowas nennt man Timing!
Dann gehts weiter, immer zügig und flott,
raus aus dem Ort und rein in ein Waldstück, wo es stockdunkel ist und ich sehr
froh bin, nicht alleine zu laufen und dass mein Laufpartner eine Stirnlampe
hat.
Im Wäldchen verfallen wir auch wieder in den Laufschritt,
weil uns kalt ist. Das geht so ca. 2 min gut, und dann gehen wir wieder.
Wir lauschen, denn andere Läufer können
wir nicht sehen, aber hören können wir Stöcke, als muss jemand vor uns
sein, wohl Marschierer mit Nordic-Walking Stöcken. Wenn ich mir vorstelle,
hier in der Dunkelheit alleine zu laufen...
Plötzlich bekomme ich Hunger und kein Verpflegungsposten
weit und breit - aber auch hier ist Walti die Rettung in Person, denn er
gibt mir einen Powerbar Riegel, den ich sofort aufesse - das tat
gut!!!
Dann gehts rein nach Lyss, schade ... ich hab das Wäldchen
gern gemocht, ansonsten bietet die Strecke nicht viel Abwechslung und die
fehlenden Kilometer-Schilder machen es mir im nachhinein schwer, mich zu
erinnern, wo wir was erlebt haben.
Lyss sieht hübsch aus - das ist
schon alles, was ich zu der Stadt sagen kann ... ansonsten, auch hier viele
Betrunkene, die uns mit HoppHopp zu einem Sprint anfeuern wollen. Aber
keine Kohlen, kein Feuer...
Kurz nach Ammerzwil erreichen wir nun
schon deutlich kälter einen Verpflegungsposten mit Sanistation und hier
entscheiden wir uns, eine kleine Pause einzulegen, in der wir uns etwas
drinnen aufwärmen. Ich schnappe mir viele Riegel und Müslibrocken, dazu
etwas Wasser und stopfe mir das Zeug so nacheinander rein...
Walti lässt unterdessen seinen Fuss verarzten, es muss schlimm aussehen, denn
ich schaue mir die Gesichter der Sanitäter an und die verziehen alle das
Gesicht...
Etwas Brühe trinke ich auch, aber die ist mir doch zu
sehr gewürzt und besonders warm ist sie auch nicht mehr.
Wir gehen
weiter, frieren zwar, aber wir bewegen uns vorwärts - so langsam zieht es
sich hin, bis ein Kilometer-Schild auftaucht.
Mitten im Feld bekleb ich
meine Hüfte mit 2 ABC-Wärmepflastern, denn ich fange an, steif zu werden -
von den Schmerzen will ich gar nicht reden.
Es wird immer kälter. Wir machen Witze und meinen, dass ein ABC-Ganzkörperanzug
wirklich super für uns wäre...
Die Bergauf-Passagen kann ich
nicht mehr so schnell hochgehen wie zu Anfangs, Walti redet und ich kann
nur japsend antworten ... er merkt schnell, dass ich dazu nicht mehr die
Kraft habe, aber er erzählt mir auch nicht gerade seinen Werdegang, so dass
wir beide schweigend die Steigung nehmen.
Ehrlich, ich hätte nicht
gedacht, dass es schlimmer werden würde, aber es wurde immer kälter und ich
merkte, dass mein Körper die Energie zum Heizen nicht mehr aufbringen
konnte. Noch gings auf Sparflamme, aber dennoch wurde es schwer.
Das Leiden wurde nun stärker, während der "Genuss" irgendwo
auf der Strecke blieb.
Ich weiss nicht mal, wo es passierte, aber es war, als hätte man in meinem
Körper einen Hebel umgelegt auf "Off".
Nachdem wir km 30 passierten und den Schmach mit den
Marathonschildern über uns ergehen lassen mussten, die früher vor unseren
kamen, war es nur noch eine Frage, ob wir bei km 38 rausgehen oder bei
56.
So weit war es schon gekommen.
Aber es sollte noch
schlimmer kommen...
Bei Scheunenberg beschlossen wir, uns kurz
hinzusetzen und uns mit Decken aufzuwärmen - leider hatten die dort keinen
Raum, sondern wir mussten uns auch in der Kälte hinsetzen.
5 Minuten sass ich dann mit der Decke dort, dann standen wir wieder auf,
tranken noch etwas eiskaltes Wasser (???) und gingen weiter.
Es war der schlimmste Fehler von allen Fehlern, die gemacht wurden, dass wir
weitergingen. Denn nun heizte der Körper gar nicht mehr und ich
schlotterte mich den Weg entlang. Vollkommen steif schleppten wir uns
voran. Zwischendurch heulte ich und Walti nahm mich in den Arm. Der Genuss
war tot.
Als ich einen Teich am Wegesrand sah, steuerte ich darauf
zu, wollte mich ertränken. Beim ersten Teich hielt Walti mich noch
davon ab, beim zweiten wollte er es mir gleichtun.
Wie verzweifelt
muss der Mensch sein, dass er an ein fremdes Haus klopft und ruft, um
eingelassen zu werden?
Bei zwei Häusern haben wir es probiert, aber
niemand machte auf und so mussten wir weiter gehen...
Weiter, immer
weiter ... diese Geraden ... diese langweiligen, ätzenden Geraden.
Ich glaube, da fange ich an, Biel richtig zu hassen. Ich empfinde da
keine Magie, Biel ist nur ein profitgeiler Lauf, das Shirt, das im Preis
enthalten ist, bekommt man nur wenn man gefinisht hat...
Die Verpflegungsstände sind viel zu weit auseinander, für langsame Läufer eine
Qual. Landschaftlich reizvoll? Dass ich nicht lache ... ich kann hier
in Deutschland auch auf Asphaltstrassen gerade entlanglaufen ... Das
musste einfach mal raus!
Voller Verzweiflung schmeisse ich mich auf
den Asphalt, mein Körper braucht eine Pause, meine Glieder sind steif, der
Rücken schreit vor Schmerz, die Hüften auch, und mein Bein macht im Chor
mit.
Walti steht vor mir und ist auch fertig.
Er hat starke
Schmerzen im Oberschenkel, ich fühle mich schuldig, weil ich ihn zu diesem
Lauf quasi "eingeladen" habe.
Als es heller wird, schiessen wir noch zwei Beweisfotos.
Ein - zwei Sanitätswagen fahren an uns vorbei und einmal auch rast
der Besenwagen an uns vorbei, Walti meint im Scherz, dass er uns übersehen
hat.
Und nun sind wir an der Froschstelle angekommen.
Die Mücken quälen Walti, mich haben sie kein einziges Mal gestochen und ich
glaube, Walti hat die nur erfunden, um eine Ausrede für das Aussteigen zu
haben ;)
Wir wollten nur noch den ersten Checkpoint erreichen, da
raste der Besenwagen wieder zurück, um kurz darauf wieder zu kommen und
bei uns zu halten.
Das Fenster wird heruntergekurbelt und ich
meine, dass Walti schon automatisch darauf zusteuert, während ich was von
"wollen nur noch den ersten Checkpoint erreichen" stammel ... Aber die
Beifahrerin schüttelt den Kopf und meint, dass wir das im Zeitlimit nicht
mehr schaffen, sie steigt aus und wir klettern in das Fahrzeug, in dem ein
Läufer schon sitzt.
Jetzt, in dem Moment ist es, als wäre eine
Klappe gefallen, nun ist es amtlich - es ist vorbei, und ich weine los, die
Emotionen überschütten mich. Man reicht mir eine Decke und wir fahren los,
um kurz darauf die nächsten Läufer einzusammeln.
Ich umarme Walti, was bin ich froh, dass er mit mir mitgekommen ist und wie dankbar bin ich,
dass wir es so weit geschafft haben.
Im Wagen ist es warm - endlich.
Zwischen den Heulpausen kann ich mit stammelnder Stimme reden, wie die
Kälte uns quasi "aufgefressen" hat, das hat sie im wahrsten Sinne des
Wortes, denn als wir den Checkpoint erreichen und aussteigen, durchzuckt
mich ein stechender Schmerz in der Wade und ich kann mein Bein nicht mehr
durchstrecken.
Aus - vorbei. Ich humpel hinter Walti ins
Restaurant, wo wir auf das Postauto (ein Bus) warten, das uns zurück nach
Biel bringt. Walti hat auch eine Zerrung im Oberschenkel erlitten. Insofern
hat uns die Nacht wirklich unsere Grenzen aufgezeigt.
Noch immer kann ich mich nicht beruhigen, dafür war die
Nacht und diese ganze Tortur, die Vergewaltigung des Körpers und der
Psyche zu lang - die Tränen kommen hervorgeschossen und ich rubbel meine
Augenlider mit dem Funktionshemd wund. So kanns gehen...
Dann kommt das Postauto schon nach zehn Minuten und wir
steigen ein.
Wen sehen wir da? Die Läuferin mit ihrem
Begleiter, der schon 20 mal Biel gefinisht ist !!!
"Nein, ihr hier?" erschallt es uns entgegen und wir setzen uns hin und reden erstmal
über die schlimmste Nacht, die wir jemals erlebt haben.
Wenn ich sage, dass wir durch unsere eigene Eishölle gegangen sind, übertreibe ich
sicher nicht, zu erleben, wie der Körper plötzlich auf "Off" schaltet und
man merkt, dass nicht geheizt wird, ist nur grauenvoll. Wenn Walti nicht
gewesen wäre, ich hätte mich sicher am Wegesrand hingelegt und dann wäre
es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich ne richtige Unterkühlung oder
schlimmeres bekommen hätte.
Insofern war das wirklich kein Spass -
kein "Ach übertreibt mal nicht so!" - wir bezeugen unser
Erlebtes!
Das Postauto fährt noch Kirchberg an, ich kann einen
schnellen Blick auf den Ho Chin Minh Pfad werfen und die ganze Zeit
versuche ich, dass linke Bein durchzustrecken, aber das kann ich nicht. Ein
blauer Fleck an der Wade verkündet mir, dass da was gerissen
ist.
Und der Laufbegleiter von der Läuferin meinte zu uns "Habt ihr
die Frösche gehört?" In diesem Moment würde ich ihn am liebsten erwürgen,
aber ein Fahrrad ist zwischen uns ... und Walti kann sich einen bissigen
Kommentar nicht verkneifen...
Die Frösche...
Wir hätten schon bei km 25 in der Sanitätsstation aussteigen sollen. Dort habe ich
doch Läufer auf den Liegen gesehen und dachte mir "dort könntest du jetzt
auch liegen". Aber nein, immer weiter - bis der Körper sich so
dagegen wehrt, dass es nicht mehr geht.
Im Bus ist es wieder kalt
und ich wartete sehnlichst darauf, dass wir in Biel
ankommen.
Zeitweise kann ich die Läufer sehen und wir fahren
plötzlich an Markus vorbei - er sieht uns und ich denke "Oh mein
Gott!". Walti zückt sein Handy und ruft Markus an, in den Zeiten
des mobilen Lebens haben Läufer auch ihre Handys bei solchen Läufen dabei.
Ihm gehts gut, er sei müde, aber es sieht so aus, als ob er diesmal es
schafft.
Ich freue mich mit ihm und muss schon wieder heulen. An
diesem Tag bin ich sehr angreifbar - es ist, als ob die Kälte mein
innerstes freigefrostet hätte und nun liegen die wertvollen Stücke da und
ich greif sie mir und muss sie von den äusseren Einflüssen
schützen.
Als der Bus in Biel hält, verabreden Walti und ich, dass
wir uns erstmal duschen und uns dann auf dem Zeltplatz wieder treffen.
Danach verabreden wir, dass wir frühstücken. Das haben wir uns redlich verdient!
In der Unterkunft angekommen wechsel ich nur
stumme Blicke mit den Betreuern, ich kann mein Bein noch immer nicht
strecken und so humpel ich an ihnen vorbei - jegliche Erklärung kann ich
mir sparen.
Im Zimmer heule ich schon wieder, aber ein Läufer ist
angekommen, oder Abbrecher und so verkneif ich mir das Gejammer, suche
mein Waschzeug und gehe zur Dusche. Die ist auch etwas von der Unterkunft
entfernt.
Zumindest liegen Stufen vor mir. Und das dauert, bis ich sie alle genommen habe und in die Schule stapfe,
wo ich mich unter die Dusche stelle und das Wasser auf meinen geschundenen
Rücken prasseln lasse.
Die Füsse sehen schlimm aus, ich verarzte sie aber erst
richtig, als ich zu Hause ankomme. Beweisfotos gibts auch, doch die stelle
ich nicht online...
Geduscht gehe ich zurück, ziehe mir meinen
Jogginganzug mit einigen Stöhnern an und humpel richtung Bus.
Zurück auf dem Zeltplatz humpel ich zu Walti und setze mich
auf dem Rasen. Er steht und wartet auf Markus, der nur einige Minuten
später ins Ziel läuft. Ich bin stolz auf ihn, doch es kratzt auch
wahnsinnig an der eigenen Psyche und ich will nur noch weg vom Ziel.
So gehen wir beide zu Roland, der sich umzieht und der es
verstehen kann, dass wir enttäuscht sind, ich gratuliere dir aber auch
nochmal ganz herzlich zu dieser tollen Leistung! Es war schön, dich kennen
zu lernen und ich bin mir sicher, dass wir uns irgendwann wieder sehen
werden.
David kommt auch mit einer tollen Zeit ins Ziel, ich
gratuliere hiermit ihm und seiner Begleiterin auch nochmal dazu! Es
freut mich, dass ich alle Läufer, die ich unbedingt sehen wollte, gesehen
habe.
Dann fahren Walti und ich in die Stadt und setzen uns in ein
gemütliches Restaurant - nach draussen, in die Sonne. Er lädt mich
zum Frühstück ein und ich komme in den Genuss einer schweizerischen
Spezialität, nämlich
Öpfelchüechli. Aber was er mir sagte war auch, dass
die Schweizer ganz normal reden und nur so tun, für die Ausländer ... klaro ;)
Herzlich lachen wir über die Frösche, die Walti unbedingt erwähnen musste.
Und er schwärmt mir von dem Baseler 24 Stundenlauf
vor, so dass ich nicht anders kann, als zu sagen, dass wir ein Forumstreffen
dort machen sollten.
Zu den Stundenläufen habe ich Walti übrigens
auch gebracht, davor hätte er sich NIE vorstellen können, sowas zu laufen,
aber so langweilig wie es klingt, sind diese Läufe wirklich nicht. Und vor
allem, man ist nie alleine. Wenn ich mir vorgestelle, ich wäre alleine gelaufen,
ich wär beim 100er schon viel früher ausgestiegen!
So kratzt es zwar noch immer, dass ich nicht mal einen Marathon geschafft
habe, aber auf der anderen Seite bin ich wahnsinnig froh, bei diesem Lauf
einen Menschen an meiner Seite gehabt zu haben, wo ich weiss, dass ich mich
immer auf ihn verlassen kann.
Wir lassen es uns richtig gutgehen im
Restaurant und humpeln nur einmal nach oben, dort, wo die WCs sind, dann
fahren wir Richtung Bahnhof und Walti nach Hause. Ich zurück zur
Unterkunft.
In der Unterkunft lege ich mich hin, schlafe fast durch
bis 19 Uhr - dann stehe ich auf und gehe zum Abendessen, um mich
anschliessend wieder hinzulegen.
Gegen 0:30 wache ich auf und denke
daran, dass mein Streak geendet ist. 355 Tage habe ich es geschafft und nun
ist es vorbei. Bis ich das verdaut habe, wird auch noch etwas Zeit vergehen.
Meine Entscheidung bereue ich dennoch nicht - sie war
richtig, ich konnte nicht mal richtig gehen, da wäre laufen unmöglich
gewesen.
Am nächsten Tag packe ich meine Sachen und treffe an der
Haltestelle auf eine Läuferin, wir kommen etwas ins quatschen und sie ist
mir gleich sympathisch, da sie auch ausgestiegen ist.
Mit Heike gehe ich dann vor dem Bahnhof in ein Cafe, da sie noch etwas Zeit hat, bis
sie sich mit der Mitfahrgelegenheit trifft und mein Flug sowieso erst
abends um 21:25 geht.
Sie ist Biel schon gefinisht und diesmal bei km 30 ausgestiegen, ich mag an ihr
sofort, dass sie mich ernst nimmt, als ich ihr sage, dass Biel nicht mehr
auf meiner "To Run" Liste steht. Dafür waren die Strecken einfach zu
langweilig, die Verpflegungsstände zu weit weg und wie mit den Abbrechern
umgegangen wurde auch zu schäbig.
Der Traditionslauf Biel, der
früher 24 Stunden das Ziel offen hatte und auf das marschieren ausgelegt
war, hat sich negativ entwickelt - gern gesehen werden nur noch die
schnellen Läufer, die langsamen müssen sehen, wie sie
zurechtkommen.
Ich habe mich entschieden, vorerst nur noch 24
Stundenläufe als Ultras zu laufen, dort kann ich essen wann ich will - ich
werde nie eine Hungerast erleiden oder eine Verletzung, weil die Wade doch
zu kalt wurde.
Heike und ich sitzen einige Zeit im Cafe und
quatschen über diese und jene Läufe - ich versicher ihr, dass ich ihr
schreiben werde und würde mich freuen, wenn man sich bei einem 24er wieder
treffen würde.
Schliesslich mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof Biel. Dort steige ich
in den Zug und hatte mir gewünscht, meine Ruhe zu haben, aber
es setzt sich ein Läufer mir gegenüber und meint, ich hätte keine mentale
Kraft gehabt, denn es war doch warm in der Nacht. Dass ich es eben NICHT NUR
für eine metale Frage halte, mag ich ihm nicht mehr erläutern (s.o. ... der
Körper macht die Gesetze - der Kopf kann stark sein, doch irgendwann ist
Schluss und jegliches "weiterprügeln" kann dann zu schlimmen Verletzungen
führen...)
Wenn für ihn die Nacht warm war, ok, ich will ihn nicht davon abbringen für sich
diesen Eindurck zu haben. Für mich war es kalt, ok?! Walti und ich habe uns beide eine
Verletzung wegen dieser beschissenen Kälte zugezogen, also war es FÜR UNS
zu kalt! Ich kriege echt die Krätze, wenn man das nicht akzeptieren will.
Bis Zürich quatschte er mich dann voll, aber dann hatte
ich meine Ruhe und verstaute das Gepäck erstmal, so dass ich nur mit Tasche
bewaffnet in der Stadt unterwegs war.

Bei einem Plätzchen ruhte ich mich etwas in der Sonne aus.

Und als ich mich hinlegte, sah ich das. Balsam...
Später entdeckte ich eine Telefonzelle - es dauerte zwar 10 Versuche, bis ich die
richtige Nummernkombination hatte, aber ich erreichte meine Mutter und
teilte ihr mit, was mir wiederfahren war. Als ich in der Telefonzelle
nieste, weil die Nase juckte, meinte sie sofort "Siehst du,
du wirst krank" und ich konnte sie nur schlecht vom Gegenteil
überzeugen...
Ich konnte keine 6 Stunden auf dem Rasenplatz
verbringen, also ging ich langsam die Strasse entlang.

Bahnhofstrasse, zum See
Und als ich das entdecke, lacht mein Herz
auf: Ein botanischer Garten, herrlich...

... ich gehe hinein und sauge diese Schönheit auf ...
Zürich ist ne schöne Stadt.
Und am Kanal spaziere ich langsam zurück zum Bahnhof. Da und dort setze mich immer mal
wieder auf eine Bank hin. So vergeht auch die Zeit.
Am Flughafen angekommen checke ich überpünktlich ein und gönne mir ein Eis.
Als ich dann die Rolltreppe runterfahre und
in der Bar unten mir noch einen Schwarztee gönne, bin ich ruhig ... als ich
nach oben fahre und meine Jacke auf einem Stuhl sehe, läuft es mir kalt
den Rücken runter.
Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich sie liegen
gelassen habe ... zum Glück ist noch alles da ... ohne den Hausschlüssel wäre
es schwer gewesen, in die Wohnung reinzukommen ...
Der Flug verläuft problemlos. Dann erreiche ich ohne
weitere Zwischenfälle meine Wohnung und dusche dort ordentlich, verarzte
meine Füsse und schreibe die ersten Nachrichten in Foren.
Das wars also, der Lauf ist vorbei und meine Entscheidung bleibt
bestehen.
Heute, am Montag bin ich dankbar, wieder das Bein
durchstrecken zu können...
Walti, danke, dass du mit mir mitgekommen
bist - wie viel wert mir das ist, lässt sich nicht in Worte ausdrücken,
durch diesen Lauf haben wir uns kennen gelernt, wie man es nur durch sowas
tun kann.
Danke!
Kris
⇒ Original-Bericht