Irgendwann musst du nach Biel
... aber einmal ist genug
Werner Sonntag schrieb vor vielen Jahren den Klassiker "
Irgendwann musst
du nach Biel". Das war in diesem Jahr auch mein Motto. Hier mein Erlebnisbericht:
Am 17.06.2005 nach monatelanger
Vorbereitung war es endlich soweit - Start des 100 km Laufes in Biel
um 22.00 Uhr.
Der erste Teil des Laufes vom Start am Eisstadion in
Biel durch die Stadt Biel und über Aarberg nach Lyss lief problemlos. Durchgangszeit 20 km
02:03 h. In Lyss war auch der erste Treffpunkt mit meinem persönlichen Betreuer
(Coach) Karl Fischer, Vater meines Cousins und Laufkollegen Steffen. Nach
Trikotwechsel und erneuten Auffüllen meines Trinkrucksackes lief ich
weiter über Ammerzwill nach Oberramsern.
Hier in Oberamsern war das erste Teilstreckenziel
nach km 38,5 erreicht. Da ich in diesen 18,5 km (von Lyss bis hier)
einen so starken Tiefpunkt wegen extremer Nach-Mitternachts-Müdigkeit hatte, war ich
mir sicher hier meinen Lauf zu beenden. Die Durchgangszeit nach 38,5
km = 4:40:06 h, das heisst ich lief ab km 20 noch mit einer Geschwindikeit
von etwa 7 km/h (effektiv natürlich etwas schneller, bei den Verpflegungsständen
gönnte ich mir natürlich eine kleine Pause ;-)
Zum Glück hatte ich als zweiten Treffpunkt mit
meinem Onkel km 40 in Mülchi ausgemacht. Ich hatte somit 2 km Zeit,
mir mein Aufgeben nochmals zu überlegen. Nach aufmunternden Worten
von meinem Coach wollte ich zumindest bis zur 2. Teilstrecke in
Kirchberg (km 56,1) weiterlaufen. Diese lief ich in 7:26:09 h.
durch.
Mittlerweile war es wieder hell und
dies motivierte mich besonders. Des weiteren fing jetzt nach
Kirchberg der legendäre Ho Chi Minh Pfad (Emmendamm) über etwa 12 km
an. Diesen Pfad wollte ich jetzt auf jeden Fall durchlaufen. Bei
Laufreport las ich, dass der 100 km Lauf erst hier anfängt. Vor dem
Pfad war der dritte Treffpunkt mit meinem Coach.
Dieser Pfad hatte es in sich. Wurzeln,
Wackersteine und oft kaum 1 m Breite. Überholen (beziehungsweise überholt zu
werden) geriet zum Wagnis. Zum Glück war es hell, als ich hier
durchlief. Aber hier habe ich durch die ständige Konzentration
ziemlich viel Kraft verloren.
Nach dem Ende des Emmendamms bei ca. km 67 ging es über Gerlafingen, Biberist nach
Bibern.
In Bibern bei ca. 76.6 km war das dritte Teilstreckenziel.
In 10:38:44 h kam ich hier durch. Ab hier merkte ich, dass ich auf
beiden Fusssohlen Blasen hatte. Aber an das Aufgeben habe ich hier
nicht mehr gedacht, eher so etwas wie Trotz: ich bin jetzt so weit
gekommen, die paar Kilometer schaff ich jetzt auch noch. Aber so einfach
war es jedoch auch nicht...
Die letzten 25 Kilometer hatten
es in sich. Ab jetzt bin ich fast nur noch gelaufen oder (pah!)
gewalkt (aber ohne Stöcke). Über Arch, Büren, Pieterlen ging es
zurück nach Biel. Auch die zwischenzeitlichen 2 Treffen und
Aufmunterungen durch den Coach ("Renn endlich wieder los, Du Gurke!")
halfen nicht mehr.
Nach 14:34:46 h (Gesamtrang 968, 218
Rang in der M40) hatte ich es endlich geschafft: Ziel in Biel
endlich erreicht. Mein erstes Statement nach dem Zieleinlauf: Nie
wieder Biel: Endlich vorbei der Sch...!!
Fazit: Ich habe zuvor immer gesagt,
Hauptsache ist für mich überhaupt zu finishen. Dies habe ich
gepackt. Insgeheim wollte ich jedoch unter 13 Stunden bleiben. Dies
erreichte ich leider nicht. Aber man muss ja auch noch für die
nächsten Jahre Ziele haben.
Hier möchte ich nochmals meinem Onkel
Karl Fischer als Betreuer, Coach und Motivator danken. Ohne ihn
hätte ich es nicht gepackt. Falls Steffen in Biel jemals den 100er
läuft bin ich wieder dabei, ansonsten sehe ich meine
Herausforderungen für die Hauptstrecken über 5 und 10
Kilometer.
Michael Hausen
⇒ Original-Bericht