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100 km Biel 2010: Andreas Rüefer über die Nacht als Velobegleiter

Ein Tagebuch, das sein Ziel verliert, und die Nacht danach trotzdem beschreibt: aus der Rolle, die das halbe Feld betrifft und fast niemand aufschreibt.

Dieser Beitrag ist kein Laufbericht, und genau deshalb steht er hier. Er begann als Trainingstagebuch auf den Start 2010 hin, unter dem Titel einer Zielzeit mit Fragezeichen, und endete als Schilderung derselben Nacht von der anderen Seite: als Begleiter. Von allen einzelnen Adressen der Sammlung trug diese die meisten Verweise.

Ein Tagebuch, das sein Ziel verliert

Die Einträge beginnen im Winter mit dem Gewöhnlichen: Schnee, ein zähes Training, die Freude darüber, dass nur noch drei Monate bleiben. Dazwischen ein Eintrag über schlechte Tage, die zu schlechten Wochen werden können, und die Rechnung, die jeder kennt, der im März trainiert: es gäbe zehn Gründe, heute nicht zu laufen, und einen, es doch zu tun.

Dann kam ein Knieproblem, das nicht besser wurde, eine Untersuchung und die Diagnose eines Meniskusrisses. Der Eintrag dazu ist der kürzeste und der ehrlichste: das Aus, oder vielleicht doch nicht. Eine Woche später hielt ein Sportarzt den Start für möglich, sofern Operation und Heilung glatt verlaufen, und die Zielzeit war damit erledigt, der Start noch nicht. Operiert wurde Anfang April, und weil mehr zu richten war als erwartet, wurden aus zehn Tagen Pause drei Wochen. Ende April ging es wieder ohne Krücken, Anfang Mai ein paar Minuten Laufen. Vier Wochen vor dem Start stand im Tagebuch, dass die Schmerzen noch da sind und die Muskulatur zurückgebildet ist.

Ende Mai die Absage: die Erholungszeit reichte nicht. Was in diesem Eintrag steht, ist bemerkenswerter als die Absage selbst. Er endet nicht mit Bedauern, sondern mit einer Bitte an alle, die starten dürfen: jede Sekunde geniessen, und mithelfen, den Lauf am Leben zu halten.

Dieselbe Nacht, von der anderen Seite

Der letzte Eintrag stammt von wenige Tage nach dem Lauf und beschreibt die Nacht aus der Rolle, die der Autor selbst den aktiven Passiven nennt: immer dabei, aber nicht laufend. Begleitet wurde die eigene Ehefrau. Der Wettbericht dazu ist knapp und deckt sich mit den Mittelwerten der Reihe: dichte Wolken vor dem Start, Regen schien jede Sekunde möglich, es blieb dann trocken, mit 15 bis 16 Grad relativ warm.

Der Start um 22:00 Uhr steht hier in der Fassung, die man aus dem Feld selbst nie sieht: der Countdown, der Knall, die Durchsage, man wünsche eine gute Nacht und sehe sich morgen wieder in Biel, und die Anspannung, die aus den Gesichtern fällt. Danach der Zug quer durch die Stadt, tausende Zuschauer, und dahinter die Feldwege, auf denen die Stirnlampen wie ein Lichterumzug aussehen. In Aarberg und Lyss standen Volksfeste, und in Lyss stiessen die Velobegleitungen dazu. Ab dort wird es ruhiger.

Der Emmendamm, im Jargon der Ho-Chi-Minh-Pfad, kommt auch in dieser Schilderung vor, mit Wurzeln, glatten Steinen und hohem Gras, und mit der Erleichterung, ohne Sturz hindurch zu sein. Danach auf und ab bis zur Aare, ab dort flach bis auf den kurzen Anstieg in Meinisberg, und dann das Schild bei Kilometer 95. Die letzten fünf Kilometer beschreibt der Text als die längsten, die man je gelaufen ist. Beim Schild bei Kilometer 99 stehen Menschen, die in Tränen ausbrechen; danach folgt der Ehrenkilometer ins Ziel.

Der Beitrag enthält zwei Beobachtungen, die die Sammlung sonst nicht hergibt. Die erste ist eine Ortsangabe mit Datum: Start und Ziel würden im folgenden Jahr in die Stadt Biel verlegt. Die zweite ist ein Satz nach dem Zieleinlauf. Die Ehefrau sagte unmittelbar danach nie wieder, und fragte wenige Tage später, ob er sie im nächsten Jahr wieder begleite.

Wofür der Beitrag steht

Für die Rolle, die in Biel ein gutes Drittel des Feldes betrifft und in fast keinem Bericht vorkommt. Die Velobegleitung ist eine Bieler Besonderheit, sie fährt die halbe Nacht im Schritttempo durch die Kälte, sie darf auf dem Emmendamm nicht mit, und sie entscheidet mit darüber, ob die Verpflegung aufgeht. Wer in Biel begleitet, sollte wissen, wo er einsteigt, wo er warten muss und wie lange die Strecke zwischen zwei erreichbaren Punkten wird.

Und für eine zweite Sache: ein Startplatz, der nicht zustande kam, ist in diesem Lauf kein abgebrochener Text. Das Tagebuch bleibt vollständig, weil es die Vorbereitung ebenso beschreibt wie ihr Scheitern und die Nacht danach trotzdem.

Häufige Fragen

Warum ist dieser Beitrag kein Laufbericht?

Weil der Start nicht zustande kam. Ein Meniskusriss im Frühjahr 2010, eine Operation Anfang April und eine zu kurze Erholungszeit führten Ende Mai zur Absage. Die Nacht selbst wurde dann als Velobegleiter erlebt und aufgeschrieben.

Was beschreibt er, das in anderen Berichten fehlt?

Die Begleitseite. Wo die Begleiträder einsteigen dürfen, wie die Nacht von aussen aussieht, wo die Betreuung nicht mitfahren darf, und was am Schild bei Kilometer 99 passiert. In den Berichten aus dem Feld kommt die Begleitung fast nur am Rand vor.

Wie war das Wetter in dieser Nacht?

Vor dem Start dichte Wolken und Regen schien jederzeit möglich. Es blieb dann weitgehend trocken, bei 15 bis 16 Grad. Das deckt sich mit dem Mittel der ausgewerteten Jahre für das Laufwochenende.

Wo dürfen die Velobegleitungen dazustossen?

In Lyss. Davor führt die Strecke durch die Stadt und über die ersten Landkilometer ohne Begleiträder; ab Lyss fährt die Begleitung mit. Auf dem Emmendamm, dem Ho-Chi-Minh-Pfad, muss sie aussen herum.

Stillleben auf dunklem Holz: eine ausgeschaltete Stirnlampe, eine gefaltete Windjacke, aufgerollte Reflektorschnur (AI-generiertes Bild)
AI-generiertes Bild