Ausrüstung für den 100 km Lauf von Biel: Lampe, Schichten und der Drop Bag in Kirchberg
Acht Stunden Dunkelheit, dann ein halber Sommertag, und dazwischen genau eine Gelegenheit zum Wechseln.
Die Ausrüstungsfrage für Biel hat eine einfache Struktur und eine unangenehme Konsequenz. Die Struktur: acht Stunden Dunkelheit, danach ein halber Sommertag. Die Konsequenz: was um vier Uhr morgens richtig ist, ist um vierzehn Uhr falsch, und dazwischen liegt genau eine Gelegenheit zum Wechseln.
Die Liste, nach Nutzen sortiert
Was unten steht, ist keine Vollständigkeitsliste, sondern die Reihenfolge, in der die Entscheidungen wirklich zählen. Die Zahlen in der rechten Spalte sind gemessene Werte für das Laufwochenende in Biel, keine Schätzungen.
Temperatur- und Niederschlagswerte: 110 ausgewertete Tage im Fenster 10. bis 14. Juni, 2005 bis 2026, Reanalyse-Daten von Open-Meteo für Biel.
Die Lampe ist die einzige echte Entscheidung
Alles andere auf der Liste lässt sich improvisieren, die Lampe nicht. Zwei Werte zählen, und der zweite wird meistens übersehen. Der erste ist die Brenndauer, und zwar bei der Helligkeit, die man tatsächlich benutzt, nicht im Sparmodus des Datenblatts. Der zweite ist das Gewicht am Kopf über acht Stunden. Eine Lampe, die im Laden angenehm sitzt, drückt nach der sechsten Stunde.
Praktisch bewährt hat sich eine mittlere Helligkeit über die ganze Nacht statt hoher Leistung mit Akkuwechsel. Der Kurs ist Asphalt, gut markiert und über weite Strecken flach; es geht um Bodensicht, nicht um Fernlicht. Wer eine Velobegleitung ab Lyss hat, kann den Reserveakku dorthin mitgeben und Gewicht sparen.
Was besser zu Hause bleibt
Bei einem Kurs mit 18 Verpflegungsposten auf 100 Kilometer ist die grosse Trinkweste selten die richtige Wahl. Alle fünf bis sechs Kilometer gibt es eine Gelegenheit zu trinken, und zwei Liter Flüssigkeit am Rücken kosten über zwanzig Stunden mehr Kraft, als sie an Sicherheit bringen. Eine kleine Flasche oder ein Softflask in der Hand deckt den Abstand zwischen zwei Posten.
Ebenso wenig gebraucht werden Trailschuhe. Die Strecke ist Strassenlauf über weite Teile auf Asphalt, und eine grobe Sohle arbeitet dort gegen den Fuss statt für ihn. Wer eine Wahl hat, nimmt den Schuh mit der besseren Dämpfung, nicht den mit dem besseren Grip. Ein halbe Nummer Luft nach vorne ist nach acht Stunden wichtiger als ein exakter Sitz am Morgen.
Und die Stöcke. Sie helfen im Gebirge, weil sie Last umverteilen, wenn es steil wird. Auf einem flachen Kurs verteilen sie nichts um, sie beschäftigen nur die Arme und blockieren die Hände an den Posten. Der einzige nennenswerte Anstieg der Strecke liegt beim Büchberg und dauert wenige Minuten.
Was dagegen fast immer fehlt, ist Kleingeld an Bargeld und eine geladene Powerbank für das Telefon. Beides klingt trivial und beides entscheidet darüber, wie unangenehm ein Ausstieg wird, wenn er zwischen zwei Kontrollpunkten passiert.
Was die Kälte wirklich verursacht
Die gemessene Lufttemperatur unterschätzt die Belastung, und zwar aus zwei Gründen. Über dem Bielersee und in den Feldern des Seelands bildet sich bei windstillen Nächten Bodennebel, und feuchte Kleidung kühlt bei gleicher Lufttemperatur deutlich schneller aus. Dazu sinkt das Tempo im Verlauf der Nacht, und mit dem Tempo die Wärmeproduktion.
Der kritische Moment ist deshalb nicht die kälteste Stunde, sondern die Kombination aus kältester Stunde und niedrigstem Tempo, und die fällt bei den meisten Teilnehmenden zusammen. Wer für diesen Moment eine Schicht in Reserve hat, verliert wenige Minuten; wer sie nicht hat, verliert manchmal das Rennen.
Aus derselben Rechnung folgt, wie die Schichten zu wählen sind. Nicht die tiefste Temperatur der Nacht entscheidet, sondern die Spanne zwischen der wärmsten und der kältesten Stunde, und diese Spanne ist im Seeland im Juni regelmässig grösser als zehn Grad. Eine einzige Schicht, die für die kälteste Stunde passt, ist beim Start zu warm und kostet in den ersten Stunden Flüssigkeit, die später fehlt. Zwei dünne Schichten, von denen eine unterwegs in den Rucksack wandert, decken die Spanne ohne diesen Verlust ab.
Ein zweiter Punkt betrifft die Reihenfolge, in der etwas gebraucht wird. Alles, was in der Dunkelheit gesucht werden muss, sollte vor dem Start dort liegen, wo es ohne Licht zu finden ist. Wer die Ersatzbatterie in der Nacht unter Zeitdruck sucht, verliert mehr Minuten als jede Materialentscheidung ihm vorher eingebracht hat.
Häufige Fragen
Welche Brenndauer braucht die Stirnlampe?
Der Start ist um 22:00 Uhr, hell wird es je nach Jahr gegen halb sechs. Das sind rund siebeneinhalb Stunden Dunkelheit, und zwar bei der Helligkeit, die man wirklich benutzt. Die Angabe im Sparmodus des Datenblatts ist dafür keine brauchbare Grundlage.
Ist reflektierende Kleidung Pflicht?
Für den 100-Kilometer-Lauf und die Militärpatrouille schreibt der Veranstalter reflektierende Kleidung vor. Die Strecke verläuft über offene Landstrassen, teils mit Verkehr.
Wo kann ich unterwegs Kleidung wechseln?
In Kirchberg, wo der Drop Bag erreichbar ist. Das liegt nach rund zwei Dritteln der Strecke und fällt bei den meisten Teilnehmenden mit dem Übergang von Nacht auf Tag zusammen.
Wie kalt muss ich mich anziehen?
Das Nachtminimum lag im Mittel bei 13.1 Grad, im kältesten erfassten Fall bei 5.6. Entscheidend ist weniger die Zahl als die Kombination aus tiefster Temperatur und niedrigem Tempo in derselben Stunde.
Brauche ich Sonnenschutz für einen Nachtlauf?
Wenn die Zielzeit über zwölf Stunden liegt, ja. Das Ziel schliesst erst am Samstag um 19:00 Uhr, und das Tagesmaximum erreichte in der ausgewerteten Reihe bis zu 31.5 Grad.
